朔風詩
Cao Zhi 曹植 (192–232)
仰彼朔風。用懷魏都。
願騁代馬。倏忽北徂。
凱風永至。思彼蠻方。
願隨越鳥。翻飛南翔。
四氣代謝。懸景運周。
別如俯仰。脫若三秋。
昔我初遷。朱華未晞。
今我旋止。素雪云飛。
俯降千仞。仰登天阻。
風飄蓬飛。載離寒暑。
千仞易陟。天阻可越。
昔我同袍。今永乖別。
子好芳草。豈忘爾貽。
繁華將茂。秋霜悴之。
君不垂眷。豈云其誠。
秋蘭可喻。桂樹冬榮。
絃歌蕩思。誰與銷憂。
臨川慕思。何為汎舟。
豈無和樂。游非我鄰。
誰忘汎舟。愧無榜人。
Der Nordwind Erwin von Zach (1872–1942)
— in: Zach, Erwin von. Die chinesische Anthologie, Harvard Yenching Institute Studies 18. Cambridge, Massachusetts: Harvard University Press, 1958. p. 527f.
Wenn ich im Nordwind stehe, erinnere ich mich an die Hauptstadt von Wei (Chang-te-fu in Honan).
Da möchte ich auf einem Pferde aus dem Lande Tai dahinsprengen und schnell nach Norden zurückkehren.
(Im Norden dagegen) wenn der Südwind ununterbrochen weht, muss ich wieder an jene südlichen Gegenden der Man-Barbaren (Tung-o?) denken.
Dann wünsche ich dem Vogel aus Yüeh folgen zu können, der flatternd nach Süden fliegt.
Die vier Jahreszeiten wechseln fortwährend; die Sonne hat schon ein volles Jahr zurückgelegt.
Die Zeit, während ich von der Wei-Residenz getrennt bin, ist nur kurz (ein Jahr) gewesen, doch erscheint sie mir wie drei Jahre.
Als ich einst zum ersten Mal [Wei-tu] verliess (und nach Tung-o ging), war der Frühling noch nicht vorüber.
Jetzt da ich (nach Wei-tu) zurückkehren will, fliegen überall Schneeflocken herum.
Einst stieg ich tausend Klafter tiefe Täler hinab und himmelragende Berge hinauf.
Wie Distelwolle im Wirbelwinde bin ich hierher verschlagen, und schon sind ein Winter und ein Sommer vergangen.
Tausend Klafter tiefe Täler sind leicht zu überschreiten; himmelragende Berge können erstiegen werden.
Aber einst teilte ich mit meinen Brüdern (Ts'ao Piao und Ts'ao Chang; vgl. XXIV No. 5: Ts'ao Chih's Gedicht an Ts'ao Piao) alle Freuden und Leiden, während ich jetzt für immer von ihnen getrennt bin.
Ihr liebtet wohlriechende Kräuter; habe ich etwa vergessen Euch solche anzubieten?
Die Blüten (der Bruderliebe) wollten sich gerade entfalten, da hat sie der Herbstfrost vernichtet.
Der Herrscher (Ts'ao P'i) besitzt keine Sympathie für mich; (andererseits) wie könnte ich Gelegenheit finden, ihm meine loyalen Gefühle auszudrücken?
[Meine Treue ihm gegenüber] ist mit Herbstorchideen zu vergleichen; [mein Charakter] mit Cassiablüten, die im Winter üppig blühen (und sich niemals verändern).
Musik könnte meine traurigen Gedanken vertreiben; aber wer würde mit mir [musizieren, um] meinen Kummer zu verscheuchen? (d.h. ich habe keine Freunde).
Jetzt stehe ich abends am Ufer des Flusses und sehne mich [nach der Hauptstadt]. Weswegen will ich (jetzt abends) noch aufbrechen?
Habe ich etwa hier keine aufheiternde Musik? Doch die Menschen, mit denen ich hier verkehre, sind nicht meine Landsleute.
Nicht etwa dass ich vergesse, das Schiff zu besteigen (und nach Wei-tu zurückzukehren); aber leider fehlen mir die Ruderer (d.h. der Kaiser zürnt mir und ich bin von allen verlassen).