古詩十九首 (其五) "西北有高樓"
Anonymous (Lu Qinli)
西北有高樓。上與浮雲齊。
交疏結綺窗。阿閣三重階。
上有絃歌聲。音響一何悲。
誰能為此曲。無乃杞梁妻。
清商隨風發。中曲正徘徊。
一彈再三歎。慷慨有餘哀。
不惜歌者苦。但傷知音稀。
願為雙鴻鵠。奮翅起高飛。
Das Lied Richard Wilhelm (1873–1930)
— in: Wilhelm, Richard. Chinesisch-Deutsche Jahres- und Tageszeiten. Lieder und Gesänge. Jena: Eugen Diederichs, 1922. p. 57.
Dort droben steht ein hohes Haus,
Das ragt zu den schwebenden Wolken auf,
Die Fenstergitter glänzen bunt,
Drei Marmortreppen führen hinauf.
Oben zur Laute ein Lied ertönt,
Wie klingt es so traurig und sehnsuchtsschwer!
Das Mädchen singt eine Melodie,
Als gäbe es keine Hoffnung mehr.
Der Wind trägt die reinen Klänge fort,
Doch mitten im Lied, da zögert sie jäh
Und rührt die Saiten immer aufs neu
In überströmendem Herzensweh!
Ach nicht ihr Lied mir wehe tut,
Mich drückts, daß niemand sie will verstehn.
Ich wollt, wir wären zwei Vögel
Und flögen hinauf zu den ewigen Höhn.
Neunzehn alte Gedichte "Im Nordwesten findet sich ein hohes Gebäude" Erwin von Zach (1872–1942)
— in: Zach, Erwin von. Die chinesische Anthologie, Harvard Yenching Institute Studies 18. Cambridge, Massachusetts: Harvard University Press, 1958. p. 514f.
Im Nordwesten findet sich ein hohes Gebäude; es reicht bis zu den treibenden Wolken hinauf.
Die Fenster sind durchwegs mit Schnitzereien geschmückt, die an bunte Seide erinnern; drei Treppen hoch findet sich ein offener Pavillon.
Von dort oben ertönt ein Saitenspiel und Gesang; wie traurig erklingt doch Musik und Stimme!
Wer könnte wohl dieses Lied gedichtet haben? Vielleicht die Witwe des Ch'i Liang (Legge II 434).
Ihre reinen, traurigen Töne verbreiten sich mit dem Winde; im mittleren Teile des Liedes bleibt die Sängerin (die Melodie wiederholend) lange verweilen.
Beim Vortrag der Musik seufzt sie wiederholt laut auf; es sind Klänge von rührender Betrübnis.
Ich traure weniger über den Kummer der Sängerin als darüber, dass (ausser mir) keine Musikkenner anwesend sind.
Ich möchte zusammen mit ihr zu einem Paar singender Kraniche werden, die ihre Flügel ausbreiten und sich hoch in die Lüfte erheben.