古詩十九首 (其七) "明月皎夜光"
Anonymous (Lu Qinli)
明月皎夜光。促織鳴東壁。 玉衡指孟冬。眾星何歷歷。 白露霑野草。時節忽復易。 秋蟬鳴樹間。玄鳥逝安適。 昔我同門友。高舉振六翮。 不念携手好。棄我如遺跡。 南箕北有斗。牽牛不負軛。 良無盤石固。虛名復何益。
Herbstgedanken Richard Wilhelm (1873–1930)
— in: Wilhelm, Richard. Chinesisch-Deutsche Jahres- und Tageszeiten. Lieder und Gesänge. Jena: Eugen Diederichs, 1922. p. 56.
Es glänzt der Mond im Dämmerschein, Das Heimchen zirpt im Mauerspalt, Die Weltenuhr zeigt Winters Nahn, Die Sterne glitzern fern und kalt. Der weiße Tau die Wiese netzt, Das Jahr dem End entgegenflieht, Die Herbstzikade schwirrt im Baum, Die dunkle Schwalbe heimwärts zieht. Einst hatt' ich einen Gesellen traut, Doch als ihn aufwärts führt das Glück, Da ließ er mich im Winkel stehn Und sieht nicht mehr nach mir zurück.
Neunzehn alte Gedichte "Der helle Mond erleuchtet mit seinen Strahlen die Nacht" Erwin von Zach (1872–1942)
— in: Zach, Erwin von. Die chinesische Anthologie, Harvard Yenching Institute Studies 18. Cambridge, Massachusetts: Harvard University Press, 1958. p. 515f.
Der helle Mond erleuchtet mit seinen Strahlen die Nacht; das Heimchen zirpt an der östlichen Mauer. Der Yü-heng-Stern (des nördlichen Scheffels) zeigt den ersten Herbstmonat an; wie deutlich sichtbar sind (in der klaren Herbstluft) die einzelnen Sterne! Glänzender Tau befeuchtet die Vegetation auf dem Lande; die Jahreszeit hat sich plötzlich wieder geändert (aus Sommer ist Herbst geworden). Die Herbstzikade singt auf den Bäumen; die Schwalbe bricht auf, wer weiss wohin? Der Freund, der einst mein Schulkamerad war, bewegt schon wie ein Adler seine sechs Schwungfedern, um sich hoch in die Lüfte zu schwingen. Er kümmert sich nicht weiter um unsere alte Freundschaft; er verwirft mich wie etwa Fusstapfen, die er beim Gehen hinter sich zurücklässt. Im Süden befindet sich das Sternbild der Kornschwinge, im Norden jenes des Scheffels (die nur diese Namen tragen, ohne aber als Kornschwinge oder Scheffel verwendet zu werden); und das Rind des (Sternbildes des) Rinderhirten trägt kein Joch (ebenso ist mein Freund nur dem Namen nach mein Freund gewesen). Wirklich seine Freundschaft besass nicht die Unveränderlichkeit eines Felsen; was nützt mir wohl eine solche leere Freundschaft?