匏有苦葉
Anonymous (Shijing)
匏有苦葉,濟有深涉。 深則厲,淺則揭。 有瀰濟盈,有鷕雉鳴。 濟盈不濡軌,雉鳴求其牡。 雝雝鳴鴈,旭日始旦。 士如歸妻,迨冰未泮。 招招舟子,人涉卬否。 人涉卬否,卬須我友。
Ruf des Frühlings Johann Cramer
— in: Jolowicz, Heinrich. Blüthenkranz morgenländischer Dichtung. Breislau: Verlag von Eduard Trewendt, 1860. p. 19.
Steigt die Sonn' empor, Der Goldfasan erwacht Und aus des Baumes Wipfel Der Goldfasanin ruft. Ihr Stolzen, wollt ihr frei'n? O, thut es recht bald Und wartet nicht, bis weg Von Bergen ist das Eis.
Die Rankenfrucht Johann Cramer
— in: Cramer, Johann (ed.). Schi-King, oder Chinesische Lieder, gesammelt von Confucius. Neu und frei nach A. La Charme's lateinischer Übersetzung bearbeitet. Fürs deutsche Volk hg. von Johann Cramer, Das himmlische Reich. Oder China's Leben, Denken, Dichten und Geschichte, 4 vols. Crefeld: Verlag der J. H. Funcke'schen Buchhandlung, 1844. p. 28f.
Des Kürbis Blätter sind so herb, Die Kerne sind so fad, Wie Ritter stolz die Einen sind, Die Andern süßliche Stutzer. Was pflegen wir's im Garten noch? Das allerbeste wär' ja doch, Ein Ungewitter mög's zerschlagen, Wir würden's leicht ertragen.
Die Sittsame Johann Cramer
— in: Cramer, Johann (ed.). Schi-King, oder Chinesische Lieder, gesammelt von Confucius. Neu und frei nach A. La Charme's lateinischer Übersetzung bearbeitet. Fürs deutsche Volk hg. von Johann Cramer, Das himmlische Reich. Oder China's Leben, Denken, Dichten und Geschichte, 4 vols. Crefeld: Verlag der J. H. Funcke'schen Buchhandlung, 1844. p. 30.
Drüben überm Flusse Wohnen Junggesellen. Doch diesseits der Wellen Wohnen Jungenfern nur. Die Jungfern sind begriffen Uebern Strom zu schiffen. Schiffet, schiffet nur, Ich nicht schiffe mit! Der Fährmann steht im Nachen, Und thut mir freundlich winken, Will's anders dich bedünken? Thu' wie die andern doch! Den Schmuck schnell angezogen, Und fürcht' dich nicht vor Wogen. Fahre zu, fahre zu, Fürchte nicht den Sturm! Spare doch dein Reden, Fahre, wer da fahren will, Ich, ich bleibe hier ganz still, In der Jungfern Hort. Zu den Junggesellen sprich: Will wohl Einer freien mich, Suche er, suche er Hier mich selber auf!
Spröd und frech Johann Cramer
— in: Cramer, Johann (ed.). Schi-King, oder Chinesische Lieder, gesammelt von Confucius. Neu und frei nach A. La Charme's lateinischer Übersetzung bearbeitet. Fürs deutsche Volk hg. von Johann Cramer, Das himmlische Reich. Oder China's Leben, Denken, Dichten und Geschichte, 4 vols. Crefeld: Verlag der J. H. Funcke'schen Buchhandlung, 1844. p. 29.
Wo tiefe Wasser fließen, Da gehn sie grad hindurch, Und heben in die Höhe Das lange Kleid nur kaum; Ist's doch, als wenn sie fürchten, Es säh' die schiefen Beine Am Ufer ein blinder Baum. Wo seichte Wasser stehen, Da heben sie gar hoch Die leichten kurzen Kleider Bis an das Knie fürwahr, Wenn feucht die Kleider wären, Sie malten ab die Beine, Ihr zeigt sie lieber offenbar. Was seid ihr doch so spröde, Da wo's nicht nöthig ist? Und zeigt euch unmanierlich Wo ihr euch schämen sollt? Die wilden Thier' im Wald Thun besser, ruhn wo's sicher ist, Fliehn, wo des Jägers Ruf erschallt.
Frühlingslockung Ernst Meier (1813–1866)
— in: Meier, Ernst. Morgenländische Anthologie. Klassische Dichtungen aus der sinesischen, indischen, persischen und hebräischen Literatur. Leipzig: Verlag des Bibliographischen Instituts, 1875. p. 36f.
Ein volles Wasser läuft gern über. Die Goldfasanin singt ihr Lied, Wie sie den Goldfasanen sieht, Und singt ihm zu: O komm, mein Lieber! Früh fängt die Sonne an zu strahlen. Wer mich zur Gattin haben will, Der schweige doch so lang nicht still, Bis geschmolzen das Eis in allen Thalen!
Die Sittsame Ernst Meier (1813–1866)
— in: Meier, Ernst. Morgenländische Anthologie. Klassische Dichtungen aus der sinesischen, indischen, persischen und hebräischen Literatur. Leipzig: Verlag des Bibliographischen Instituts, 1875. p. 37.
Stumm winkt der Fährmann aus dem Kahn. "Ziehn Andre hin, ziehn Andre hin, Ich hab' es nicht, hab's nicht im Sinn; Ich warte, bis mein Freund wird nahn."
Spröd und frech Ernst Meier (1813–1866)
— in: Meier, Ernst. Morgenländische Anthologie. Klassische Dichtungen aus der sinesischen, indischen, persischen und hebräischen Literatur. Leipzig: Verlag des Bibliographischen Instituts, 1875. p. 14.
Sehn sie durch ein tiefes Wasser, Watend schier bis an die Knie, Heben sie die Kleider nie; Aber gehn sie durch ein seichtes, Heben sie sie ohne Scheu Viel zu hoch und viel zu frei.
Frühlingslockung Friedrich Rückert (1788–1866)
— in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 48.
— in: Grabow, Hans (ed.). Die Lieder aller Völker und Zeiten, in metrischen deutschen Uebersetzungen und sorgfältiger Auswahl. Hamburg: Verlag von G. Kramer, 1880. p. 342.
Wenn früh die Sonne steiget, Erwacht der Goldfasan; Im Wipfel er nicht schweiget, Ruft die Fasanin an: Wer nun will frey'n die Stolzen, Thu' es in kurzer Frist; Warte nicht erst bis geschmolzen Das Eis auf den Bergen ist.
Die Sittsame Friedrich Rückert (1788–1866)
Ueber'm Flusse drüben Ist die Junggesellenflur; An dem Ufer hüben Wohnen lauter Jungfern nur. Alle Jungfern sind begriffen Ueber'n breiten Strom zu schiffen. Schiffet nur! Schiffet nur! Ich will nicht mit schiffen. In dem schwanken Nachen Steht der Fährmann, winkt mir zu: Willst du's anders machen Als die andern? Närrchen du! Schmücke dich mit deinen Flittern, Vor den Wogen laß dein Zittern, Fahre zu! Fahre zu, Trotz den Ungewittern! Ei, dein Reden spare, Fahre den, der fahren mag! Und ob jede fahre, Bleib' ich doch im Jungfernhag. Kommst du zu den Junggesellen, Sollst du meinen Gruß bestellen: Wer mich mag, Wer mich mag, Komm' an meine Schwellen!
Die Spröden und frechen Friedrich Rückert (1788–1866)
Wo Wasser sind, die tiefen, Sehn sie hindurch, und kaum Erheben sie, die triefen, Der langen Kleider Saum; Als ob Gefahr sie liefen, Daß ihrer Beine Schiefen Am Ufer seh' ein unverständ'ger Baum. Wo Wasser sind, die seichten, Sie heben mit der Hand Die Kleider hoch, die leichten, Bis an des Knie'es Rand. Zur Schand' euch wol gereichten Die Kleider, wenn sie weichten, Drum zeigt ihr lieber eure Blöß' im Land. Was spielet ihr die spröden, Wo es hat keine Noth, Und wollt euch da entblöden, Wo Sitte Scham gebot? Die wilden Thier' in Oeden Thun besser, als ihr schnöden, Ruhn wo's ist sicher, fliehn wo etwas droht.
Über'm Flusse drüben Friedrich Rückert (1788–1866)
— in: Sekles, Bernhard (ed.). Aus dem Schi-King. Leipzig: D. Rahter, 1907. p. 4f.
Über'm Flusse drüben Ist die Junggesellenflut; An dem Ufer hüben Wohnen lauter Jungfern nur. Alle Jungfern sind in Mühen Übern breiten Strom zu ziehen. Zieht mir! ich will nicht mit ziehen. In dem schwanken Nachen Steht der Fährmann, winkt mir zu: Willst dir's anders machen Als die andern? Närrchen du! Schmücke dich mit deinen Flittern, Vor den Wogen laß dein Zittern, Fahre zu! trotz den Ungewittern! Ei, dein Reden spare, Fahre den, der fahren mag! Und ob jede fahre, Bleib ich doch im Jungfernhag Kommst du zu den Junggesellen, Sollst du meinen Gruß bestellen: Wer mich mag komm an meine Schwelle.
Leidenschaftliche Verfrühung der Vermählung gehindert Victor von Strauß (1809–1899)
— in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 103.
Der Kürbiß hat Blätter voll Bitterkeiten; Und die Furth hat Tiefen beim Durchschreiten; Wo sie tief, da entblößt man sich weit, Wo sie seicht, da lüpft man das Kleid. Nun woget die Furth von Überschwall, Und es ruft der Fasanin lockender Schall. Die Höhe der Furth spült nicht nur die Achsen an, Und der Ruf der Fasanin suchet ihren Fasan. Die wilden Gänse, sie schreien im Chor, Die Sonne geht auf, bringt den Morgen hervor; Und wenn ein Jüngling ein Weib will frein, So wartet er nicht bis das Eis sich verlor. Nach langem Winken der Fährmann rief: Ein Anderer setze dich über, nicht ich! Ein Anderer setze dich über, nicht ich! Denn meinen Freund erwarte ich.