汝墳
Anonymous (Shijing)
遵彼汝墳,伐其條枚。
未見君子,惄如調飢。
遵彼汝墳,伐其條肄。
既見君子,不我遐棄。
魴魚赬尾,王室如燬。
雖則如燬,父母孔邇。
Lied der Holzhauerinnen Johann Cramer
— in: Cramer, Johann (ed.). Schi-King, oder Chinesische Lieder, gesammelt von Confucius. Neu und frei nach A. La Charme's lateinischer Übersetzung bearbeitet. Fürs deutsche Volk hg. von Johann Cramer, Das himmlische Reich. Oder China's Leben, Denken, Dichten und Geschichte, 4 vols. Crefeld: Verlag der J. H. Funcke'schen Buchhandlung, 1844. p. 6f.
Am Flusse Yu,
Da sind zu schauen
Die armen Frauen,
Wenn Holz sie hauen
Und singen dazu:
Du zogst von Haus
Mit dem König aus,
Und ließest mich zurück,
Das Haus zu bestellen,
Und Holz zu fällen.
Am Flusse Yu,
Da sind zu schauen
Die armen Frauen,
Wie Holz sie hauen
Und sammeln Reiser dazu:
Unsre Männer ziehen dort,
Sind von ihren Häusern fort,
Haben jetzo keine Zeit,
Uns das Holz zu fällen.
An Yu dem Fluß
Kann man schauen
Arme Frauen,
Holz sie hauen,
Und draus bauen
Einen Käfig sie:
Wenn du nun bist heimgekehrt,
Oeffne schnell ich den Verschluß,
Und ich schließ' ihn wieder,
Nie mehr kommst du dann heraus.
Roth am Schwanz
Ist Lang der Fisch,
Und es glänzt in Feuerglanz
Hell des Königs Schloss?:
Preise du es, wie du willst,
Könnte ich's nach Wunsch erreichen,
Sollte deines Heerdes Glut
Freundlich dich umleuchten!
Lied der Holzhauerinnen Ernst Meier (1813–1866)
— in: Meier, Ernst. Morgenländische Anthologie. Klassische Dichtungen aus der sinesischen, indischen, persischen und hebräischen Literatur. Leipzig: Verlag des Bibliographischen Instituts, 1875. p. 39f.
Am Damm jenseits des Flusses Ju,
Da sieht man, wie die Frauen
Aus Zweigen bald, bald aus dem Stamm
Der Bäume Holz verhauen.
Der weise Gatte zog hinaus,
Und seitdem hält man sie im Haus
Wie arme Dienerinnen.
Am Damm jenseits des Flusses Su,
Da haun sie unverdrossen
Das Holz wohl von den Zweigen ab
Und von den zarten Sprossen.
"Kommt nur der Gatte erst zurück",
So sagen sie mit frohem Blick,
"Er soll mir nicht entrinnen!"
Das Fischlein Fang hat rothen Schwanz,
Des Königs Zimmer glühen
Wie feurig Eisen; mögen sie's!
Die Glut wird schon verziehen;
Denn unser Vater ist ja nah,
Der König Wen-Wang ist bald da,
Wir werden's noch gewinnen!
Schmerz und Freude der Frauen Carl Friedrich Neumann (1793–1870)
— in: Jolowicz, Heinrich (ed.). Der poetische Orient. Leipzig: Verlag von Otto Wigand, 1853. p. 9.
Sie wandeln an den Ufern des Yu-Flusses, schneiden Zweige und Aeste;
Nicht sehend den Trefflichen fühlen sie Schmerz gleich Hungersnoth.
Sie wandeln an den Ufern des Yu-Flusses, schneiden Zweige und den Nachwuchs;
Sie sehen den Trefflichen und rufen: Ach, er ist nicht fern von uns!
Roth glänzt der Schweif des Fisches Fang, und die Halle des Königs scheint in Flammen
aufzulodern;
Möge sie auflodern in Flammen, ist doch Vater und Mutter uns nah.
Lied der Holzhauerinnen Friedrich Rückert (1788–1866)
— in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 15f.
Drüben an dem Flusse Yu
Sind zu schau'n die Frauen,
Wie das Holz sie hauen,
Traurig singen sie dazu:
Mit des Königs Hofgesellen
Zogest du von deinen Schwellen;
Ungebührlich lässest du
Mich das Haus bestellen.
Drüben an dem Flusse Su
Sind die Frau'n zu schauen,
Holz vom Stamm sie hauen
Und die Reiser auch dazu:
Drüben über jenen Wellen
Ziehen unsre Hausgesellen,
Haben keine Zeit dazu
Uns das Holz zu fällen.
Drüben über Yu dem Fluß
Hauen Holz die Frauen:
Wißt ihr, was wir bauen?
Einen Käfich zum Verschluß.
Wenn du nur erst heimgekommen,
Zu geimschaftlichem Frommen
Mach' ich meinen Käfich zu,
Sollst mir nicht entkommen!
Phang, der Fisch, ist Roth am Schwanz,
Und wie glühend Eisen
Glänzt das Schloß des Königs ganz;
Magst du dir es preisen!
Aber wenn ich's könnt' erzielen,
Wenn nach Wunsch die Lose fielen,
Sollte deines Herdes Glanz
Röthlich dich umspielen.
Rückkehr des Gemahls aus König Wen's siegreichen Kämpfe für das Kaiserhaus Victor von Strauß (1809–1899)
— in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 76.
Ich ging entlang des Sju-Stroms Damm
Und hieb mir Holz von Stamm und Ast;
Sah noch nicht meinen hohen Herrn,
Und schmachtet' als von Hungers Last.
Ich ging entlang des Sju-Stroms Damm
Und hieb mir Holz von Ast und Zweig;
Da sah' ich meinen hohen Herrn:
Nicht mein vergaß er fern im Reich.
Der Brassenfisch war roth am Schwanz;
Das Königshaus, es war als brannt's;
Wiewol es aber war als brannt's
Nah war der Hort des Vaterlands.