綿
Anonymous (Shijing)
緜緜瓜瓞。
民之初生,自土沮漆。
古公亶父,陶復陶宂,未有家室。
古公亶父,來朝走馬。
率西水滸,至于岐下。
爰及姜女,聿來胥宇。
周原膴膴,堇荼如飴。
爰始爰謀,爰契我龜。
曰止曰時,築室于茲。
廼慰廼止,廼左廼右。
廼疆廼理,廼宣廼畝。
自西徂東,周爰執事。
乃召司空,乃召司徒,俾立室家。
其繩則直,縮版以載,作廟翼翼。
捄之陾陾,度之薨薨。
築之登登,削屢馮馮。
百堵皆興,鼛鼓弗勝。
廼立臯門,臯門有伉。
廼立應門,應門將將。
廼立冢土,戎醜攸行。
肆不殄厥慍,亦不隕厥問。
柞棫拔矣,行道兌矣。
混夷駿矣,維其喙矣。
虞芮質厥成,文王蹶厥生。
予曰有疏附,予曰有先後,予曰有奔奏,予曰有禦侮。
Tan-Fu, der erste Fürst von Tscheou Johann Cramer
— in: Jolowicz, Heinrich (ed.). Der poetische Orient. Leipzig: Verlag von Otto Wigand, 1853. p. 33f.
Aus kleinem Kern entstehet der Kürbis,
Und weit umher die Ranken streckt;
Woher die Wurzeln unsers Stammes,
Das sei dir nun entdeckt.
Mit seinem Hofe lebt' Tan-Fu
Am Flusse Tsu, am Strome Tsi,
In Höhlen, die er selbst gegraben,
Denn andre Häuser hatt' er nie.
Von allen achtzehnhundert Reichen,
In die zerfällt das grosse Reich,
Ist das, wo Fürst Tan-Fu regieret,
Nicht' mal dem allerkleinsten gleich.
Früh Morgens hob er sich zu Pferde,
Und folgt' im West des Stromes Lauf,
Bis er zu Ki, den Berg, gekommen,
Zu seiner Gattin sprach er drauf:
Gut ist das Land, das wir gefunden,
Duftig das Feld und rein die Luft,
Tscheou heisst die Gegend, drum mich nenne
Tscheou auch, wer meinen Namen ruft.
Die Pflanze Kin und Tu die Pflanze,
Sie wachsen saftig immerzu,
Kommt über's Land erst Pflug und Hacke:
Hier sei ich erster Fürst von Tscheou!
Es zeigt durch günst'ge Farbenspiele
Die Schildkröt' gute Zeichen an,
Hier mag sich unsre Reise enden,
Und Ruh' und Haus beginnen kann.
Sie gehn zur Ruh'. Beim neuen Tage
Will jedermann geschäftig sein.
Die Felder werden eingegrenzet,
Und auch Wohnplätze theilt man ein.
Wie weit das Land sich soll erstrecken
Vom Ost zum Westen, wird bestimmt,
Und was der Landwirthschaft kann frommen,
Auf Alles wohl Bedacht man nimmt.
Er hat den Meister herbeschieden,
Er trägt ihm auf, die Stadt zu bau'n,
Und was man Morgens angefangen,
Vollendet Abends ist's zu schau'n.
Denn zweimal tausend Hände schaffen,
Nicht wartend erst auf ihre Pflicht,
Man siehet sie sich emsig regen
Vom Morgen - bis zum Abendlicht.
Der Meister lenket durch Befehle,
Der Fürst bedächtig stets erwägt,
Die Linke schaffet wie die Rechte,
Und Eile selbst scheint überlegt.
Das Senkblei will sich überzeugen,
Dass fest im Grunde ruht der Stein;
Und durch die Richtschnur sich die Balken
An Balken fügen im Verein.
Es scheint ein jedes Haus vollendet,
So zierlich ist es und doch fest;
Doch bei dem Bau des Ahnentempels
Sich Sorgfalt doppelt merken lässt.
Das Fürstenschloss erhebt sich südlich,
Frei ist die Halle, doch das Dach,
Von einem Wall' ist es umgeben,
Der in die Höh' steigt allgemach.
Noch eh' die Pauk' mit lautem Schlage
Zur Arbeit mahnt, eilt man herbei,
Und wenn ihr Schlag die Ruh' gestattet,
Ist lang noch nicht ihr Werk vorbei.
Ein mässig hoher Bogen wölbe
Als Thor auf beiden Seiten sich,
Wodurch das Volk zu seinem Fürsten
Mag Einzug halten freudiglich!
Ein andres enger doch und höher
Soll noch am Fürstenhause sein,
Durch das des Volkes Herr und Vater
Allein will gehen aus und ein.
Das ist das Thor, durch das geschritten
Jahrhunderte die hohe Schaar
Von deinen Fürsten, Stamm von Tscheou,
Das Thor, das deines Ahnen war.
Das ist das Thor, aus dem gegangen
Wen-wang zur Kaiserherrschaft nah,
Das Thor, aus dem die Welt zum Heile
Wu-wang den Thron erstreiten sah.
Tan-Fu, der erste Fürst von Tschin Johann Cramer
— in: Cramer, Johann (ed.). Schi-King, oder Chinesische Lieder, gesammelt von Confucius. Neu und frei nach A. La Charme's lateinischer Übersetzung bearbeitet. Fürs deutsche Volk hg. von Johann Cramer, Das himmlische Reich. Oder China's Leben, Denken, Dichten und Geschichte, 4 vols. Crefeld: Verlag der J. H. Funcke'schen Buchhandlung, 1844. p. 193-195.
Aus kleinem Kern entstehet der Kürbis,
Und weit umher die Ranken streckt;
Woher die Wurzeln unsers Stammes,
Das sei dir nun entdeckt.
Mit seinem Hofe lebt' Tan-Fu
Am Flusse Tsu, am Strome Tsi,
In Höhlen, die er selbst gegraben,
Denn andre Häuser hatt' er nie.
Von allen achtzehnhundert Reichen,
In die zerfällt das grosse Reich,
Ist das, wo Fürst Tan-Fu regieret,
Nicht' mal dem allerkleinsten gleich.
Früh Morgens hob er sich zu Pferde,
Und folgt' im West des Stromes Lauf,
Bis er zu Ki, den Berg, gekommen,
Zu seiner Gattin sprach er drauf:
Gut ist das Land, das wir gefunden,
Duftig das Feld und rein die Luft,
Tschiu heisst die Gegend, drum mich nenne
Tschiu auch, wer meinen Namen ruft.
Die Pflanze Kin und Tu die Pflanze,
Sie wachsen saftig immerzu,
Kommt über's Land erst Pflug und Hacke:
Hier sei ich erster Fürst von Tschiu!
Es zeigt durch günst'ge Farbenspiele
Die Schildkröt' gute Zeichen an,
Hier mag sich unsre Reise enden,
Und Ruh' und Haus beginnen kann.
Sie gehn zur Ruh'. Beim neuen Tage
Will jedermann geschäftig sein.
Die Felder werden eingegrenzet,
Und auch Wohnplätze theilt man ein.
Wie weit das Land sich soll erstrecken
Vom Ost zum Westen, wird bestimmt,
Und was der Landwirthschaft kann frommen,
Auf Alles wohl Bedacht man nimmt.
Er hat den Meister herbeschieden,
Er trägt ihm auf, die Stadt zu baun,
Und was man Morgens angefangen,
Vollendet Abends ist's zu schau'n.
Denn zweimal tausend Hände schaffen,
Nicht wartend erst auf ihre Pflicht,
Man siehet sie sich emsig regen
Vom Morgen - bis zum Abendlicht.
Der Meister lenket durch Befehle,
Der Fürst bedächtig stets erwägt,
Die Linke schaffet wie die Rechte,
Und Eile selbst scheint überlegt.
Das Senkblei will sich überzeugen,
Dass fest im Grunde ruht der Stein;
Und durch die Richtschnur sich die Balken
An Balken fügen im Verein.
Es scheint ein jedes Haus vollendet,
So zierlich ist es und doch fest;
Doch bei dem Bau des Ahnentempels
Sich Sorgfalt doppelt merken lässt.
Das Fürstenschloss erhebt sich südlich,
Frei ist die Halle, doch das Dach,
Von einem Wall' ist es umgeben,
Der in die Höh' steigt allgemach.
Noch eh' die Pauk' mit lautem Schlage
Zur Arbeit mahnt, eilt man herbei,
Und wenn ihr Schlag die Ruh' gestattet,
Ist lang noch nicht ihr Werk vorbei.
Ein mässig hoher Bogen wölbe
Als Thor auf beiden Seiten sich,
Wodurch das Volk zu seinem Fürsten
Mag Einzug halten freudiglich!
Ein andres enger doch und höher
Soll noch am Fürstenhause sein,
Durch das des Volkes Herr und Vater
Allein will gehen aus und ein.
Das ist das Thor, durch das geschritten
Jahrhunderte die hohe Schaar
Von deinen Fürsten, Stamm von Tschiu,
Das Thor, das deines Ahnen war.
Das ist das Thor, aus dem gegangen
Wen-wang zur Kaiserherrschaft nah,
Das Thor, aus dem die Welt zum Heile
U-Wang den Thron erstreiten sah.
Tan-Fu, der erste Fürst von Tschiu Friedrich Rückert (1788–1866)
— in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 271-274.
Der Kürbis wächst aus kleinem Kerne,
Und streckt die Ranken weit durch's Land.
Den Ursprung unsres Stammes lerne,
Aus welchen Wurzeln er entstand.
Tan-Fu mit seinem Hofstaat lebet
Am Flusse Tsu, am Strome Tsi,
In Höhlen die er selbst sich gräbet;
Nicht andre Häuser bauten sie.
Denn von den achtzehnhundert Reichen,
In die das große Reich sich theilt,
Muß jedem an Geringheit weichen
Das, wo Tan-Fu der Fürst verweilt.
Er stieg zu Roß an frühem Morgen,
Und ritt dem Strom im Westen nach;
Zu Ki dem Berg kam er verborgen,
Wo er zu seiner Gattin sprach:
Das Land ist gut in das wir kamen,
Das Feld gibt Duft, die Luft ist rein.
Die Gegend nennt sich Tschiu mit Namen,
Tschiu soll hinfort mein Nam' auch senn.
Hier wachsen saftig von Geschmacke
Die Pflanze Kin, die Pflanze Tu,
Und warten nur auf Pfug und Hacke;
Hier wohn' ich erster Fürst von Tschiu.
Uns läßt gewogne Farbenspiele
Die Schildkröt' auf dem Feuer schaun;
Gekommen ist die Fahrt zum Ziele,
Hier laß uns ruhn und Häuser baun!
Sie ruhn; und als der Tag sie wecket,
Geht alles an das Werk und eilt.
Feldgrenzen werden abgestecket,
Wohnplätze werden zugetheilt.
Das Landgebiet ist ausgemessen
Vom Osten bis zum Westen weit,
Die Gau'n bestimmt, und nichts vergessen
Wodurch der Ackerbau gedeiht.
Er läßt den weisen Meister kommen,
Dem er den Bau der Stadt vertraut.
Der Morgen sieht es unternommen,
Der Abend sieht es ausgebaut.
Denn tausend Hände paarweise reget,
Und wartet nicht auf's Aufgebot,
Der Eifer, der an's Werk sie leget
Vom Morgen bis zum Abendroth.
Der Meister lenkt mit seinem Winke,
Der Fürst mit seinem Blicke wacht;
Da wird zur Rechten selbst die Linke,
Und in der Eil' ist Vorbedacht.
Das Senkblei wacht, daß fest im Grunde
Der Stein auf seiner Schwerkraft liegt;
Die Richtschnur sorgt, daß eng im Bunde
Sich Balken an den Balken schmiegt.
Vollkommenheit drückt ihren Stempel
Auf jeden Giebel, der sich schloß;
Doch bei dem Bau der Ahnentempel
Ist Fleiß und Sorgfalt doppelt groß.
Dann steigt mit südwerts offner Halle
Und mit den Zinnen hoch und frei
Das Fürstenschloß, zu dessen Walle
Man Erde trägt in Körben bei.
Sie eilen eh mit lauten Streichen
Den Ruf an's Werk die Pauke gab;
Und wenn sie gibt zur Rast das Zeichen,
So ruhn sie nicht und stehn nicht ab.
Ein Thor von mäßig hohem Bogen
Laßt breit zu beiden Seiten senn,
Dadurch des Volkes frohe Wogen
Zu ihrem Fürsten strömen ein!
Doch höher wird gebaut und schmäler
Ein zweites Thor am Fürstenhaus,
Durch das der hohe Volksbefehler
Allein darf gehen ein und aus.
Das ist das Thor, durch dessen Bogen
Jahrhunderte herab ein Thor
Von deinen Fürsten ausgezogen,
Geschlecht von Tschiu, dein Ahnenthor.
Das ist das Thor, aus dem entgegen
Wen-Wang der Kaiserherrschaft schritt,
Das Thor, aus dem U-Wang zum Segen
Der Welt zog und den Thron erstritt.
Die Anfänge von Tscheu Victor von Strauß (1809–1899)
— in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 395-397.
Der Kürbiß wächst, man merkt nicht, wie.
Des Volks Beginn ist ausgegangen
Vom Land der Flüsse Ts'hiu und Ts'hi.
Das war zur Zeit Altfürst Tan-fu's,
Erdgruben, Höhlen wölbten sie;
Wohnhäuser hatten sie noch nie.
Altfürst Tan-fu, beim Morgengrauen
Auf flücht'gem Roßgespann zu schauen,
Kam längs der Westgewässer Auen
Bis an des Khi-Bergs untre Gauen;
Da kam er hin mit Kiang, der Frauen,
Um dori mit ihr sich anzubauen.
Die Eb'ne Tscheu's war fett für Saaten,
Gleich Zucker Wurzeln und Salaten.
Hier hub er an, hier ward berathen,
Hier unsre Schildkröt' angebraten.
Es hieß: bleibt steh'n! 's ist Zeit zu Thaten.
Hier nehmt zum Häuserbau'n die Spaten!
Da schafft' er Ruh', da Stillestand,
Da linker Hand, da rechter Hand,
Da setzt' er Mark, da Rain und Rand,
Da wies er an, da gab er Land,
Indem vom Westen bis nach Osten
Er rings des Werks sich unterwand.
Dann rief den Vorstand er der Bauten,
Dann rief den Vorstand er der Frohnen,
Und hieß sie Häuser bau'n zum Wohnen.
Die haben's nach der Schnur gerichtet,
Zur Füllung Plankenholz geschichtet,
Den Ahnensaal mit Pracht errichtet.
Lehm schleppten ganze Schaaren her,
Und warsen ein und lärmten sehr,
Und stampften fest, wie Der so Der,
Und putzten glatt die Kreuz und Quer.
Manch' Hundert Wänd' erstand umher.
Die Großpauk' überklang's nicht mehr.
Dann setzten sie das Außenthor;
Das Außenthor war hoch umfangen.
Dann setzten sie das Binnenthor,
Das Binnenthor mit stolzem Prangen.
Dann setzten sie den Erdaltar,
Wo soviel Großes ausgegangen.
Hatt' er auch nicht vertilget seine Hasser,
So ward er doch für seinen Ruhm nicht lasser.
Gerodet wurden Dorn und Eichen,
Gangbare Wege sah man streichen.
Die wilden Kuan, sie mußten weichen,
Und fortgescheucht von dannen keichen.
Als Ju und Sjui sich in Vergleich begeben,
Und König Wen erregt ihr wahres Leben,
Da, sag' ich, ist das Ferne hergenaht,
Da, sag' ich, folgte nach was vor ihm trat,
Da, sag' ich, lief sein Preis auf jedem Pfad,
Da, sag' ich, hatt' er Wehr vor Feindesthat.