歌 "吾家嫁我兮天一方"
Liu Xijun 劉細君
吾家嫁我兮天一方。
遠託異國兮烏孫王。
廬為室兮旃為牆。
以肉為食兮酪為漿。
居常土思兮心內傷。
願為黃鵠兮還故鄉。
Die Königin der Wusun Alfred Forke (1867–1944)
— in: Forke, Alfred. Blüthen chinesischer Dichtung. Magdeburg: Commissionsverlag: Faber'sche Buchdruckerei, A. & R. Faber, 1899. p. 10.
Mein Geschlecht hat mich
Ach! vermählt,
Mich geschickt weit, weit
In die Welt.
In dem fernen Land
Der Wusun,
Ach! des Königs Weib
Bin ich nun.
Ach! in einem Zelt
Wohn' ich jetzt,
Und die Hauswand Filz
Mir ersetzt.
Meine Speise ist
Fleisch allein,
Kumyuss schenkt dazu
Man mir ein.
Ach! es brennt mein Herz,
Seit ich hier,
Nur der Heimat denkt's
Für und für.
Gelber Kranich sein
Möcht ich gleich,
Flög' dann schnell zurück
In mein Reich.
Klage einer chinesischen Prinzessin, die einem Tatarenfürsten anverlobt wurde Klabund (1890–1928)
— in: Klabund. Das Blumenschiff. Berlin: Erich Reiss Verlag, 1921. p. 68.
— in: Klabund. Dichtungen aus dem Osten. Bd. II China: Chinesische Lyrik. Wien: Phaidon-Verlag, 1929. p. 29.
— in: Klabund. Dichtungen aus dem Osten. Bd. II: Chinesische Gedichte. Nachdichtungen. Wien: Phaidon-Verlag, 1954. p. 39.
Der wilde Gänserich der Mongolei
Läßt wild ertönen seinen Hochzeitsschrei.
Des Südens Rebhuhn, das er sich erkor,
Schreckt scheu und schüchtern aus dem Rohr empor.
Im Norden fällt der Schnee, der Gletscherwind
Betäubt des Südens heißes Sonnenkind.
Not droht und Tod. Das Feuer bald verschwält,
Wenn Süden sich dem Norden anvermählt.
Ach, stürbe ich, ehe mich, von Frost bereift,
Der Schneegemahl zum eisigen Brautbett schleift.
— in: Klabund. Dichtungen aus dem Osten. Bd. II China: Chinesische Lyrik. Wien: Phaidon-Verlag, 1929. p. 29.
— in: Klabund. Dichtungen aus dem Osten. Bd. II: Chinesische Gedichte. Nachdichtungen. Wien: Phaidon-Verlag, 1954. p. 39.
No title ("Sie haben mich in die Ehe gegeben") Richard Wilhelm (1873–1930)
— in: Oehlke, Waldemar (ed.). Seele Ostasiens. Chinesisch-japanischer Zitatenschatz. Berlin: F.A. Herbig Verlagsbuchhandlung, 1941. p. 81f.
Sie haben mich in die Ehe gegeben
Hierher ins ferne Land!
Ach, in der Fremde muß ich weilen
An des Königs Seite gebannt.
Ein rundes Zelt ist meine Hütte
Aus Filz ist seine Wand.
Ach, rohes Fleisch ist meine Speise
Und saure Milch mein Trank!
Ach, mein Herz ist mir wund im Busen,
Denk ich ans Heimatland.
Ach, wär ich ein weißer Schwan doch!
Flög ich hin zum fernen Strand!